Heide Heinzendorff nennt das Material ihrer Einhänger „böhmisches Quarzglas“. Schon der Name führt uns in ein Land, das seit Jahrhunderten für seine Glaskunst berühmt ist. Eine kleine Reise durch die Geschichte und in die Chemie der Farben.
Quarzglas in der Technik
Fachleute nennen Glas aus fast reinem Siliciumdioxid „Quarzglas“ oder genauer „Kieselglas“. Es hält große Hitze aus, verträgt schnelle Temperaturwechsel und ist chemisch sehr beständig. Man findet es zum Beispiel in Halogenlampen, in Laseroptik und in den Fenstern des Space Shuttles.
Böhmen – ein Land aus Glas
Glas aus Böhmen ist seit dem 13. Jahrhundert belegt. Die ersten Glashütten lagen mitten im Wald, denn sie brauchten viel Holz. Aus der Asche von Buchen gewannen die Glasmacher Pottasche, die den Quarz zum Schmelzen brachte. Das war mühsam: Bei einem Nachversuch von Forscherinnen in Prag ergaben 100 Gramm Buchenasche nur 13,5 Gramm Pottasche. Weil im Sand und in der Asche etwas Eisen steckte, schimmerte dieses frühe Glas grünlich. Man nennt es deshalb bis heute „Waldglas“.
Im 16. und 17. Jahrhundert verfeinerten die böhmischen Glasmacher ihre Rezepte, zum Beispiel mit Kalkstein oder Kreide. Anfang des 17. Jahrhunderts kam ein entscheidender Gedanke aus Prag: Caspar Lehmann, Edelsteinschneider am Hof von Kaiser Rudolf II., übertrug die Kunst des Steinschnitts auf Glas. Er gilt als erster moderner Glasgraveur.
Um 1700 gelang dann der große Wurf: ein schweres, stark glänzendes Glas aus Pottasche und Kalk, das als „böhmisches Kristall“ berühmt wurde. Es kam ganz ohne Blei aus. In der Barockzeit, etwa von 1685 bis 1750, entstanden daraus kostbar geschliffene und gravierte Gläser, die an den Höfen Europas begehrt waren.
Als im späten 18. Jahrhundert englisches Bleiglas zur Konkurrenz wurde, antworteten die Böhmen mit Farbe: mit tiefschwarzem Hyalith, mit Rubinglas und mit Lithyalin, einem Glas, das wie geäderter Halbedelstein aussieht. Ende des 19. Jahrhunderts gründete der Wiener Glasunternehmer Ludwig Lobmeyr ein Designatelier im nordböhmischen Steinschönau und brachte die Glaskunst zu neuer Blüte.
Eine lebendige Tradition
Bis heute wird Glaswissen in Böhmen in Familien, Lehrwerkstätten und Fachschulen weitergegeben. Im Dezember 2023 hat die UNESCO die handwerkliche Glasherstellung von Tschechien, Deutschland und vier weiteren Ländern als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Gewürdigt wurden das hohe Können und die Teamarbeit am heißen und kalten Glas.
Wenn Sie heute einen facettierten Einhänger ins Licht halten, steckt dahinter eine Idee, die in Böhmen groß geworden ist: Glas so zu schleifen, dass es funkelt wie ein Edelstein.
Woher kommen die Farben?
Klares Glas wird farbig, wenn man winzige Mengen bestimmter Metalle oder ihrer Oxide in der heißen Schmelze auflöst. Sie verschlucken einen Teil des Lichts, und den Rest sehen wir als Farbe. Einige Beispiele:
- Kobaltoxid gibt das tiefe, leuchtende Blau.
- Chromoxid färbt Glas smaragdgrün.
- Eisenoxid gibt Grün- und Brauntöne, wie beim alten Waldglas.
- Kupfer kann je nach Schmelze Blau, Grün oder sogar Rot ergeben.
- Mangan gibt Violett. In kleinen Mengen nutzten Glasmacher es auch, um den Grünstich des Eisens zu überdecken.
- Selen färbt rot, Cadmiumsulfid gelb.
- Gold ergibt das berühmte Rubinrot. Am Hof von Brandenburg perfektionierte der Glasmacher Johann Kunckel in Potsdam ein Rezept dafür: Winzige Goldteilchen werden in der Schmelze verteilt, und erst beim zweiten Erhitzen zeigt sich das leuchtende, himbeerfarbene Rot.
Welches Rezept hinter welcher Heinzendorff-Farbe steckt, verrät der Hersteller nicht. Aber hinter jedem Farbton steht dieses alte Wissen der Glasmacher.
Am schönsten sehen Sie die Farben im echten Licht. Besuchen Sie uns im Laden am Weinmarkt in Nürnberg, dort können Sie alle Einhänger anprobieren und miteinander vergleichen. Welche Größe zu Ihnen passt, zeigt Ihnen unser Größenvergleich der Einhänger.
Quellen
- Quarzglas – chemie.de Lexikon (Werte nach Heraeus Quarzglas)
- Kieselglas – Lexikon der Optik, Spektrum Akademischer Verlag, 1999
- Pánová, Rohanová, Randáková: Modeling of Bohemian and Moravian glass recipes from Gothic to Baroque periods. Heritage Science 8, 2020
- Bohemian glass – Encyclopaedia Britannica
- UNESCO, Beschluss 18.COM 8.B.29, Dezember 2023
- Becky Stewart: Colored glass – from alchemy to empirical chemical design. The American Ceramic Society, 2024
- Ana Matisse Donefer-Hickie: Alchemy, Science, and Making Marvels. The Metropolitan Museum of Art, 2020
- Hobart M. King: What Causes Color in Glass? geology.com (ergänzend)
- Produktangaben – heinzendorff.de