Sterling Silber – was hinter der 925 steckt

Sterling Silber – was hinter der 925 steckt

In fast jedem Silberschmuck findet sich ein kleiner Stempel: 925. Die Zahl bedeutet, dass 925 von 1000 Teilen des Metalls reines Silber sind, also 92,5 Prozent. In Deutschland regelt das seit 1884 das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren: Wer stempelt, gibt den Feingehalt in Tausendteilen an.

Was die Zahl nicht verrät: woraus die übrigen 7,5 Prozent bestehen. Genau dort wird es spannend, mit einem Stern auf alten Münzen, einem Metall, das nach Deutschland benannt ist, und einer Verwechslung, die man kennen sollte.

Woher der Name kommt

Ursprünglich war „sterling“ der Name einer Münze: des englischen Silberpfennigs. Laut dem Oxford English Dictionary ist die Schreibweise „sterlynge“ seit 1297 belegt, ältere Formen wie „esterlin“ sogar schon um 1100. Weil diese Münzen einen festen Silbergehalt hatten, wurde das Wort später zum Inbegriff für „von vorgeschriebener Güte“.

Im Jahr 1300 schrieb der englische König Edward I. per Gesetz vor, dass Silberwaren diesen Standard von 92,5 Prozent erfüllen müssen. Geprüfte Stücke erhielten als Zeichen einen Leopardenkopf. So berichtet es das Londoner Prüfamt, das Assay Office London.

Woher das Wort selbst stammt, ist bis heute nicht sicher geklärt. Drei Erklärungen werden genannt:

  • Der Stern: Altenglisch steorra bedeutet „Stern“, die Endung -ling verkleinert, also etwa „Sternchen-Münze“. Manche normannischen Pfennige trugen einen kleinen Stern. Das Oxford English Dictionary hält diese Erklärung für die wahrscheinlichste.
  • Die „Easterlings“: So nannte man Händler und Münzmeister aus dem Osten, aus Norddeutschland und dem Ostseeraum. Diese Erklärung liest man oft, sie gilt aber als widerlegt.
  • Der Stater: Der deutsche Sprachforscher Friedrich Kluge leitete das Wort von einer altfranzösischen Form des griechischen Münznamens Stater ab.

Mit der schottischen Stadt Stirling hat das Wort übrigens nichts zu tun, auch wenn die Schreibweisen früher verwechselt wurden.

Warum fast immer Kupfer?

Reines Silber ist sehr weich. Ein Ring daraus würde schnell verkratzen und sich verbiegen. Deshalb wird Silber legiert, und seit Jahrhunderten meist mit Kupfer.

Der Grund liegt im Inneren des Metalls. Bei großer Hitze löst sich Kupfer im Silber, bis knapp 9 Prozent. Kühlt man das Metall schnell ab und erwärmt es danach noch einmal auf etwa 280 °C, scheiden sich winzige Kupferkristalle aus. Sie wirken wie Bremsklötze im Gefüge und machen das Silber härter. Der amerikanische Goldschmied und Metallkundler James Binnion nennt dafür folgende Werte: Weich geglühtes Sterlingsilber hat eine Härte von 56 bis 66 Vickers, ausgehärtetes 120 bis 140 Vickers. Das ist ungefähr das Doppelte.

Die 7,5 Prozent Kupfer liegen also genau im passenden Bereich. Gleichzeitig ist es so wenig, dass die Farbe silbern bleibt.

Einen Nachteil hat Kupfer allerdings: Beim Löten verbindet es sich mit dem Sauerstoff der Luft. Dabei entsteht ein rötlich-violetter Schleier, den Goldschmiede Feuerschmutz nennen. Der Goldschmied Charles Lewton-Brain beschreibt, dass sich dieser Schleier sogar unter der Oberfläche bilden kann, weil Silber bei Hitze Sauerstoff ins Innere leitet.

Es geht auch anders: Silber mit Germanium

Kupfer ist nicht vorgeschrieben. Das Lexikon der Chemie von Spektrum der Wissenschaft nennt als mögliche Zusätze für Silber auch Zink, Zinn, Palladium, Indium, Cadmium und Nickel.

Das bekannteste moderne Beispiel ist Argentium-Silber. Entwickelt hat es Peter Johns an der Middlesex University in London, das erste Patent wurde 1994 erteilt. Ein Teil des Kupfers wird dabei durch Germanium ersetzt, etwa 1 Prozent des Gewichts. Laut der Universität läuft Argentium kaum an und bildet keinen Feuerschmutz. Es wird mit 93,5, 94 und 96 Prozent Silber angeboten, im Handel also als 935, 940 oder 960.

Ein Massenprodukt ist es trotzdem nicht: Die Universität nennt rund 40 Tonnen Argentium pro Jahr. Zum Vergleich werden weltweit etwa 7.000 Tonnen Silber zu Schmuck und Tafelsilber verarbeitet.

Ein Metall namens Deutschland

Germanium hat der Chemiker Clemens Winkler 1886 an der Bergakademie Freiberg in Sachsen entdeckt, in einem Silbermineral namens Argyrodit. Er benannte es nach seiner Heimat, lateinisch Germania. Vorhergesagt hatte es der russische Chemiker Dmitri Mendelejew schon 1871, als Lücke in seinem Periodensystem. Germanium ist ein grauweißes, sprödes Halbmetall. Heute steckt es vor allem in Glasfaserkabeln, Infrarot-Optik und Solarzellen für Satelliten. Billig ist es nicht: Laut US Geological Survey kostete ein Kilo in Europa 2025 im Schnitt rund 4.100 US-Dollar.

Gut zu wissen: Die Zahl 935 allein bedeutet nicht automatisch Argentium. Sie gibt nur den Silberanteil an. Was im Rest steckt, weiß der Hersteller.

Und was ist mit Nickel?

Wer auf Nickel reagiert, fragt sich oft, ob Silber das Richtige ist. Sterlingsilber ist hier meist eine gute Wahl, denn die übliche Legierung besteht aus Silber und Kupfer. Eine Garantie gibt die Zahl 925 aber nicht: Sie regelt nur den Silberanteil, nicht den Rest. Laut Spektrum-Lexikon kann Nickel in Schmucksilber bis zu 40 Prozent des Kupfers ersetzen.

Für Schmuck in der EU gibt es deshalb eine eigene Regel, die für alle Metalle gilt. Sie verbietet Nickel nicht, sondern begrenzt, wie viel davon an die Haut abgegeben werden darf (REACH-Verordnung, Anhang XVII, Eintrag 27):

Schmuckart Höchstens abgegebenes Nickel
Schmuck mit längerem Hautkontakt, z. B. Ketten, Armbänder, Ringe 0,5 Mikrogramm pro cm² und Woche
Stecker und Piercings, die durch die Haut gehen 0,2 Mikrogramm pro cm² und Woche

Beschichtungen müssen außerdem mindestens zwei Jahre halten, damit darunterliegendes Nickel nicht frei wird. So fasst es die dänische Umweltbehörde zusammen.

Unser Rat: Wer sehr empfindlich ist, fragt beim Kauf nach der genauen Legierung.

Vorsicht, Verwechslung: German Silver ist kein Silber

Im Internet wird Schmuck manchmal als „German Silver“ angeboten. Der Name klingt nach Silber, doch das Metall enthält keines. Gemeint ist Neusilber, auch Alpaka genannt: eine Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel. Laut dem Museum of Fine Arts in Boston liegt der Anteil bei 52 bis 80 Prozent Kupfer, 10 bis 35 Prozent Zink und 5 bis 35 Prozent Nickel.

Neusilber wurde ursprünglich in China hergestellt und dort Paktong genannt. In Deutschland wurde es ab 1770 produziert, daher der Name. Es war lange ein günstiger Ersatz für Silber und dient bis heute als Grundmetall für versilberte Gegenstände.

Für Menschen mit Nickelallergie ist German Silver also gerade das Gegenteil von Sterlingsilber. Ein Blick auf den Stempel hilft: Echtes Silber trägt eine Feingehaltsangabe wie 925 oder 935.

Warum Silber anläuft und wie man es pflegt

Silber läuft an, weil es mit schwefelhaltigen Gasen in der Luft reagiert, vor allem mit Schwefelwasserstoff. Dabei entsteht eine hauchdünne Schicht aus Silbersulfid. Bei Sterlingsilber kommt Kupfersulfid hinzu. Das Canadian Conservation Institute, die Restaurierungsfachstelle der kanadischen Regierung, erklärt: Kupfer ist reaktionsfreudiger als Silber, deshalb läuft Sterling schneller an als Feinsilber.

Die Farbe verrät, wie dick die Schicht ist. Zwischen etwa 10 und 100 Nanometern schimmert sie gelblich, dann rötlich-braun und bläulich. Ab etwa 100 Nanometern wirkt sie schwarz, das ist die eigentliche Farbe von Silbersulfid. Schwefel steckt übrigens in vielen alltäglichen Dingen, etwa in Eiern, Wolle und Gummibändern.

Pflegetipps nach den Empfehlungen des Instituts:

  • Silber trocken aufbewahren. Bei feuchter Luft läuft es schneller an.
  • Jedes Stück einzeln in säurefreies Seidenpapier wickeln und in einen verschlossenen Beutel legen.
  • Leichtes Anlaufen mit einem Silberputztuch entfernen. Das ist die schonendste Methode.
  • Keine allgemeinen Metallpolituren verwenden. Sie schleifen stärker als Silberpolituren.
  • Nicht zu oft polieren, denn jedes Polieren trägt etwas Silber ab.

Wer sich das Polieren ersparen möchte, kann zu rhodiniertem Silber greifen. Wie das funktioniert, erklären wir in unserem Artikel Rhodiniertes Silber – warum ein Hauch Rhodium so viel ausmacht.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Dieser Artikel ersetzt den früheren Text vom Februar 2025.

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